Bildung

Gerechte Zukunft bedeutet gerechte Bildungschancen!

Bildung ist der Schlüssel zu Teilhabe. Das ist nicht nur eine Floskel, sondern eine Tatsache. Leider haben in Deutschland nicht alle SchülerInnen die gleichen Chancen auf eine gute Ausbildung und somit auch nicht die gleichen Chancen auf Teilhabe. Deutschland ist ein Land, in dem der Geldbeutel und die soziale Stellung der Eltern immensen Einfluss auf die Zukunftschancen der Kinder haben. In keinem vergleichbaren Land ist die soziale Stellung so wichtig für die Bildungschancen wie in Deutschland. Auch hält Deutschland als letztes Land an der strengen Dreigliedrigkeit des Schulsystems fest, obwohl mittlerweile auch konservative Wissenschaftler dem deutschen Bildungssystem mangelnde Chancengleichheit attestiert haben.

Schule ohne Zukunft  

Leider haben noch immer nicht alle SchülerInnen die gleichen Chancen das Beste aus sich herauszuholen, um später eine Ausbildung oder ein Studium erfolgreich abschließen zu können. Für viele ist selbst der Schulabschluss ein fast unerreichbares Ziel. Zu wenig individuelle Förderung macht es gerade den schwächeren SchülerInnen schwer, im stark leistungsorientierten deutschen Schulsystem zu bestehen. Die Tatsache, dass eher auf vorhandene Defizite bei den SchülerInnen aufmerksam gemacht wird und weniger auf Anerkennung vollbrachter Leistungen gesetzt wird, führt zu Motivationsdefiziten bei den SchülerInnen. Die Zahl der Schulverweigerer steigt immer weiter, weil viele das Gefühl haben dem Druck und den Erwartungen nicht standhalten zu können. Anders als beispielsweise in Finnland, kennt die deutsche Schulkultur kein Förderprinzip. In Deutschland wird weiter auf Selektion statt auf Integration gesetzt. Besonders Kinder mit Migrationshintergrund haben es in Deutschland schwer. Der Anteil der AbiturientInnen mit Migrationshintergrund ist erschreckend niedrig. Dafür erscheinen Hauptschulen immer mehr als Restschulen, in die alle sozialen Problemfälle abgeschoben werden.

Die Dreigliedrigkeit zwingt SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern bereits im Alter von zehn Jahren Entscheidungen zu treffen, die das ganze Leben des Kindes beeinflussen. Einmal auf einer der drei Schulformen, ist ein Wechsel kaum mehr möglich. Die oft angekündigte Verbesserung der Durchlässigkeit hat höchstens dazu geführt, dass es heute einfacher ist Kinder abzuschulen. Eine Durchlässigkeit zu einer höheren Schule gibt es kaum.
Aber genau solche Maßnahmen, wie Abschulen oder Sitzenbleiben führen zu Schulangst. Schule ist in Deutschland für viele Kinder kein Ort, wo sie gerne hingehen und wo sie sich wohlfühlen, sondern ein Ort, der mit den unterschiedlichsten Ängsten verbunden ist.

Deutschland ist schon lange nicht mehr das Land der Dichter und Denker, das haben die schlechten PISA-Ergebnisse eindeutig belegt. Reformen sind dringend notwendig und von vielen unterschiedlichen Seiten eingefordert worden. Bewegt hat sich bislang nicht viel. Die Reformträgheit geht zu Lasten der Zukunftschancen der SchülerInnen.

Zukunft, die Schule macht

Gute Beispiele für eine zukunftsgerechte Schule gibt es genug. In den meisten Ländern lernen die Kinder und Jugendlichen zumindest neun Jahre gemeinsam und profitieren damit von all den Stärken und Schwächen ihrer MitschülerInnen. Die Grüne Jugend fordert schon seit Jahren, dass dieses Beispiel auch in Deutschland Schule machen muss. Auch die Wissenschaft ist schon lange der Auffassung, dass sich längeres gemeinsames Lernen positiv auf die Lernchancen der SchülerInnen auswirkt.
Eine Schule der Zukunft muss daher eine Schule für alle sein. Der Zugang zu Bildung entscheidet über die Zukunftschancen jeder Einzelnen und jedes Einzelnen. Eine Schule für alle würde endlich allen die gleichen Chancen geben, unabhängig von sozialem Stand und Geld der Eltern.

Eine Schule mit Zukunft muss fördern und fordern. Dabei muss das Fördern klar im Fordergrund stehen. Sitzenbleiben lehnte die Grüne Jugend NRW ab. Schwächen müssen ausgeglichen werden und nicht durch zweifelhafte Maßnahmen, wie das Sitzenbleiben bestraft werden. Auch Noten dienen in erster Linie der Selektion und haben kaum eine Aussagekraft. Um SchülerInnen wirklich über ihre Stärken und Schwächen zu informieren und ihnen genau dort zu helfen, wo sie Hilfe und Unterstützung brauchen, sind Lerntagebücher ein wesentlich besseres und aussagekräftigeres Instrument. Auch in Deutschland muss die Schule zu einem Förderprinzip finden. Selektion ist sozial unverträglich und ungerecht.

Auch die Schulstruktur muss sich ändern, wollen wir die Schule fit für die Zukunft machen. Die Schulen müssen selbständiger werden. Dabei ist Selbstständigkeit kein Selbstzweck, sondern soll zu besserem Unterricht führen. Das bedeutet aber, dass die Schulen pädagogisch mehr Freiheit brauchen. Es reicht nicht den Schulen die Möglichkeit zu geben, selbst über Lehrereinstellungen zu befinden und im pädagogischen Bereich an alten Zöpfen festzuhalten. Noch immer werden Schulen mit viel zu vielen kleinteiligen Regelungen und Erlassen geknebelt, die die pädagogische Selbständigkeit torpedieren.
Aber auch der Unterricht selbst bedarf der Reform. Langweiliger Frontalunterricht gehört in die pädagogische Mottenkiste. Eigenständige Arbeiten und Gruppenarbeiten machen junge Menschen fit für eine Zukunft, in der weniger das tatsächliche Wissen zählt, als die Technik des eigenständigen Wissenserwerbs. Schule muss Techniken vermitteln, um die SchülerInnen auf eine Gesellschaft vorzubereiten, die sich immer schneller verändern wird. Schule muss auf lebenslanges Lernen vorbereiten und soll dabei auch den Spaß am Lernen vermitteln.

Die Schule der Zukunft ist eine Schule, die von allen Mitwirkenden mehr als Projekt begriffen wird, denn als ätzende Verwahranstalt. Um diese Vorstellung in die schulische Realität zu transportieren, müssen SchülerInnen mehr an den Prozessen innerhalb der Schule beteiligt werden. SchülerInnen können qualifiziert mitentscheiden, wenn ihnen die Chance dazu gegeben wird. Nicht nur schafft Mitbestimmung Identifikation und Integration, sondern es lehrt Demokratie. Die Vermittlung demokratischer Grundsätze ist eine der wichtigsten Aufgaben der Schule. Leider ist das nur eine Trockenübung, denn wirklich demokratisch mitbestimmen dürfen SchülerInnen nicht. Eine demokratische Gesellschaft kann es sich nicht leisten, eine Institution, die von allen besucht und durchlaufen wird, undemokratisch zu gestalten.

Bildung ist Zukunft. Um allen Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit zu geben ihre Zukunft selbstbestimmt zu gestalten, muss Schule den Anforderungen einer modernen und selbstbestimmten Gesellschaft Rechnung tragen. Zu viele junge Menschen sind verunsichert und haben Angst vor der Zukunft. Das liegt nicht zuletzt daran, dass das deutsche Bildungssystem viele junge Menschen in eine ungewisse Zukunft mit unzureichender Bildung entlässt. Deutschland kann es sich nicht leisten junge Menschen auf dem Weg in die Zukunft zu verlieren.