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Generationengerechtigkeit – Leitbild des neuen Jahrhunderts?

21. August 2006

Ein Beitrag von Dr. Jörg Tremmel, Geschäftsführender Vorstand der Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen (SRzG).

„Jeder weiß, dass es viel schwieriger ist, Worte in
Taten zu verwandeln, denn Taten in Worte.“
Maxim Gorki

Der Begriff Generationengerechtigkeit

Generationengerechtigkeit kann also folgendermaßen definiert werden:

Generationengerechtigkeit ist erreicht, wenn die Chancen der zukünftigen Generationen auf Befriedigung ihrer eigenen Bedürfnisse mindestens so groß sind wie die der früheren Generationen.

Vergleiche und Evaluierungen unter dem Aspekt der Generationengerechtigkeit beziehen sich auf alle Elemente des kollektiven Erbes. Sieht man einmal von der familiären Ebene ab und schaut sich die Politik an, so ist in mindestens acht Politikbereichen das „Prinzip Generationengerechtigkeit“ unmittelbar relevant: Umweltpolitik, Finanzpolitik, Rentenpolitik, Arbeitsmarktpolitik, Bildungspolitik, Gesundheitspolitik, Friedenspolitik und Jugendpolitik.

Was heisst Generationengerechtigkeit für verschiedene Bereiche?

Ökologie ▪ Das Naturkapital darf nicht verringert werden.
Erneuerbare Energieressourcen dürfen nur in dem Maß genutzt werden, wie sie sich erneuern. Nicht erneuerbare Energieressourcen müssen so sparsam wie möglich genutzt werden, damit nachrückende Generationen Gelegenheit bekommen, Substitute dafür zu schaffen. Die biologische Vielfalt an Arten und Ökosystemen darf nicht reduziert werden. Luft, Wasser und Boden dürfen nur in dem Maße mit schädlich wirkenden Stoffen belastet werden, wie sie diese abbauen können.

Staatsverschuldung ▪ Der Anteil der Staatseinnahmen, der für den Schuldendienst ausgegeben wird, darf langfristig nicht steigen. Denn wenn die heute herrschende Generation eine Finanzpolitik betreibt, als deren Folge der Anteil der Staatseinnahmen, den eine zukünftige Generation für Zins und Tilgung ausgeben muss, steigt, so nimmt sie der zukünftigen Generation ihre Freiheit, selbständig Politik zu machen.

Bildung ▪ Jede Generation muss - vor allem in jungen Jahren - durch Bildung und Ausbildung in die Lage versetzt werden, unter den für sie gegebenen Rahmenbedingungen ihr Leben bestmöglich zu meistern.

Arbeit ▪ Die Quote arbeitsloser Jugendlicher sollte nicht über die allgemeine Arbeitslosenquote steigen. Sie sollte außerdem nicht höher liegen als zu vergangenen Zeiten.

Rechte von Kindern und Jugendlichen ▪ Unterachtzehnjährige sollten über alle politischen Entscheidungen, die sie betreffen, mitbestimmen dürfen wie Erwachsene. Dazu gehört, dass sie das aktive Wahlrecht ausüben
dürfen, sofern sie selbst wollen.

Friedenssicherung ▪ Das Weiterbestehen der Institution Krieg ist die größte Gefahr für zukünftige Generationen. Nachrückende Generationen sollten weniger bzw. idealerweise keine Erfahrungen mit dieser Geißel der Menschheit machen.

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