Die Frage nach Gerechtigkeit ist zentral in der Gesellschaft.
29. September 2006
Die Antwort von Franz Müntefering auf ein Anschreiben der Grünen Jugend NRW zum Auftakt der Kampagne:
Ein wirklich treffendes Wort ist das nicht – Generationengerechtigkeit. Gerechtigkeit ist immer auf das Individuum gerichtet, nicht auf die Generation, denn die ist in sich sehr differenziert zu sehen. Trotzdem: Es ist klar, was gemeint ist.
Die Frage nach Gerechtigkeit ist zentral in der Gesellschaft. Es ist gut, wenn darüber diskutiert wird. Gerechtigkeit hat viele Facetten: Chancengerechtigkeit, Verteilungsgerechtigkeit, Generationengerechtigkeit.
Gegenwartsinteressen haben immer eine deutlich größere Lobby als Zukunftsinteressen. Für die Politik ist es natürlich immer ein Problem, dass man sich auf das konzentriert, was im Augenblick gefordert ist und zu wenig investiert in das, was in den nächsten Jahren und Jahrzehnten nötig ist. Wohl wissend, dass das, was man heute verpasst, dann morgen und übermorgen in dramatischer Weise fehlt. Wer heute nicht sät, kann morgen nicht ernten.
Die Aufgaben sind konkret: Wir müssen einen Teil dessen, was wir heute erwirtschaften, in die Köpfe und in die Herzen der jungen Menschen investieren, in ihre Ausbildung, in Kindergärten, Schulen, Hochschulen, in Forschung und Technologie, in neue Unternehmen. Wir müssen dafür sorgen, dass die sozialen Sicherungssysteme heute, morgen und übermorgen noch leistungsfähig sind und allen die nötige soziale Absicherung geben können. Die Anhebung des Renteneintrittsalters von 65 auf 67 bis 2029 ist ein Beispiel. Wir müssen unsere wirtschaftliche Entwicklung so gestalten, dass wir die Umwelt schonen und die natürlichen Ressourcen, von denen auch unsere Kinder und Enkelkinder noch leben müssen, nicht zerstören.
Modern spricht man von Nachhaltigkeit. Im Sauerland, von wo ich herkomme, sagt man: Man darf die Saatkartoffeln nicht verfuttern, sondern man muss sie pflanzen.
Franz Müntefering
Bundesminister für Arbeit und Soziales
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